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Leistungen bei Pflegegrad 1

Pflegegrad 1: Alle Leistungen 2026 im Überblick

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Pflegegrad 1: Alle Leistungen 2026 im Überblick

Pflegegrad 1 gilt als „kleinster" Pflegegrad – und wird deshalb massiv unterschätzt. Es gibt kein Pflegegeld und keine ambulanten Pflegesachleistungen; die sind den Pflegegraden 2 bis 5 vorbehalten. Was es gibt: den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich (§ 45b SGB XI), 42 Euro monatlich für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (§ 40 Abs. 2 SGB XI), kostenlose Pflegeberatung, Pflegekurse für Angehörige – und den mit Abstand größten Posten: bis zu 4.180 Euro je Maßnahme für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI. Dieser Zuschuss steht ab Pflegegrad 1 in voller Höhe zu, genau wie bei Pflegegrad 5. Er deckt Badumbau, Türverbreiterung, Treppenlift – und in begründeten Fällen auch Entrümpelung und Umzug. Viele Betroffene mit Pflegegrad 1 beantragen ihn nie.

Welche Leistungen gibt es bei Pflegegrad 1 konkret?

Pflegegrad 1 bedeutet „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit" – ab 12,5 von 100 Punkten im Begutachtungsverfahren. Ende 2024 waren rund 863.000 Menschen in Deutschland so eingestuft.

Diese Leistungen stehen zu:

Leistung Höhe 2026 Rechtsgrundlage
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis 4.180 € je Maßnahme § 40 Abs. 4 SGB XI
Entlastungsbetrag 131 € monatlich § 45b SGB XI
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch 42 € monatlich § 40 Abs. 2 SGB XI
Technische Pflegehilfsmittel leihweise oder bezuschusst § 40 Abs. 1 SGB XI
Hausnotruf Zuschuss zu Anschluss und Betrieb § 40 SGB XI
Pflegeberatung kostenlos § 7a SGB XI
Pflegekurse für Angehörige kostenlos § 45 SGB XI
Zuschuss zu ambulant betreuten Wohngruppen monatlich § 38a SGB XI

Was es nicht gibt: Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und Tages- oder Nachtpflege. Diese Leistungen beginnen erst ab Pflegegrad 2.

Warum der Wohnumfeld-Zuschuss der größte Posten ist

Pflegegrad 1: Alle Leistungen 2026 im Überblick

Rechnen Sie nach: Der Entlastungsbetrag bringt über ein ganzes Jahr 1.572 Euro. Der Wohnumfeld-Zuschuss bringt 4.180 Euro in einer einzigen Maßnahme – und ist wiederholbar, wenn sich die Pflegesituation wesentlich ändert.

Das Entscheidende: Anders als bei fast allen anderen Leistungen der Pflegeversicherung ist dieser Betrag nicht nach Pflegegrad gestaffelt. Wer Pflegegrad 1 hat, bekommt genau so viel wie jemand mit Pflegegrad 5. Der Gesetzestext knüpft nur an die Pflegebedürftigkeit an, nicht an deren Ausmaß.

Bezuschusst wird alles, was die häusliche Pflege ermöglicht, erheblich erleichtert oder eine selbständigere Lebensführung wiederherstellt:

  • bodengleiche Dusche, Haltegriffe, erhöhter Toilettensitz
  • Türverbreiterung, Schwellenabbau, Rampen, Treppenlift
  • Verlegung von Schlaf- oder Bad ins Erdgeschoss
  • Entrümpelung blockierter Verkehrswege und Stellflächen
  • Umzug in eine barrierefreie Wohnung samt Transport und Helfern

Wie der Antrag aufgebaut wird, welche Fristen gelten und was bei Ablehnung hilft, steht ausführlich im Ratgeber Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: 4.180 € Zuschuss.

Wofür darf ich den Entlastungsbetrag verwenden?

Die 131 Euro monatlich sind eine zweckgebundene Kostenerstattung, kein Bargeld. Sie werden gegen Rechnung ausgezahlt.

Verwendbar sind sie für Angebote zur Unterstützung im Alltag, für Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege sowie für Leistungen ambulanter Pflegedienste – bei Pflegegrad 1 ausnahmsweise auch für Leistungen der körperbezogenen Pflege, was ab Pflegegrad 2 nicht mehr geht.

Wichtig für die Planung: Nicht abgerufene Beträge verfallen nicht sofort. Sie können ins Folgehalbjahr übertragen werden. Wer den Betrag ein Jahr lang nicht nutzt, verliert ihn aber. Prüfen Sie deshalb einmal jährlich, was noch auf dem Konto liegt.

Lohnt sich Pflegegrad 1 überhaupt?

Ja – aber nicht wegen der laufenden Zahlungen, sondern wegen des Zugangs. Pflegegrad 1 ist die Eintrittskarte in das Leistungssystem der Pflegeversicherung.

Drei Gründe:

  1. Der 4.180-Euro-Zuschuss ist unabhängig vom Pflegegrad und der größte einzelne Hebel.
  2. Höherstufung ist jederzeit möglich, wenn sich der Zustand verschlechtert – ein bestehender Pflegegrad macht das Verfahren einfacher als eine Erstbegutachtung.
  3. Steuerlich wirkt der Pflegegrad bei außergewöhnlichen Belastungen und beim Pflege-Pauschbetrag.

Was Sie ergänzend prüfen sollten: Die Steuerermäßigung nach § 35a EStG greift für haushaltsnahe Dienstleistungen zusätzlich – aber nicht für denselben Betrag, für den Sie einen Zuschuss bekommen haben. Details in Entrümpelung und Umzug steuerlich absetzen.

Was ändert sich mit der Pflegereform?

Über die Zukunft von Pflegegrad 1 wird derzeit politisch gestritten. Eine Kommission zur Pflegereform berät; Einsparungen von rund 1,8 Milliarden Euro jährlich stehen im Raum.

Entschieden ist nichts. Der SPD-Fraktionsvorsitzende hat eine Abschaffung ausgeschlossen, die Union verweist auf die Kommission. Was das für Betroffene praktisch bedeutet – und warum es sinnvoll ist, einen Antrag jetzt zu stellen statt zu warten – steht im Ratgeber Pflegegrad 1 streichen: Was die Reform bedeutet.

Häufige Fragen

Bekomme ich bei Pflegegrad 1 Pflegegeld?

Nein. Pflegegeld nach § 37 SGB XI setzt mindestens Pflegegrad 2 voraus. Bei Pflegegrad 1 gibt es stattdessen den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich, der zweckgebunden gegen Rechnung erstattet wird. Der finanziell größte Anspruch bei Pflegegrad 1 ist nicht dieser Betrag, sondern der Zuschuss zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen von bis zu 4.180 Euro je Maßnahme.

Wie hoch ist der Wohnumfeld-Zuschuss bei Pflegegrad 1?

Bis zu 4.180 Euro je Maßnahme – die volle Summe, identisch mit allen anderen Pflegegraden. § 40 Absatz 4 SGB XI staffelt den Betrag nicht nach Pflegegrad, sondern knüpft nur an die anerkannte Pflegebedürftigkeit an. Leben mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung, steht der Betrag jeder Person zu, gedeckelt auf 16.720 Euro je Maßnahme.

Zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 1 eine Entrümpelung?

Sie kann, wenn die Räumung als wohnumfeldverbessernde Maßnahme anerkannt wird. Entscheidend ist die Begründung: Die Entrümpelung muss die häusliche Pflege ermöglichen oder erheblich erleichtern – etwa weil ein Pflegedienst mit Rollstuhl oder Lifter nicht bis ans Bett kommt oder Stellfläche für ein Pflegebett fehlt. Eine Räumung, die nur der Ordnung dient, wird abgelehnt.

Verfällt der Entlastungsbetrag, wenn ich ihn nicht nutze?

Nicht sofort. Nicht abgerufene Beträge lassen sich ins folgende Halbjahr übertragen. Wer sie über das Jahr hinaus nicht nutzt, verliert den Anspruch jedoch. Prüfen Sie deshalb jährlich Ihren Kontostand bei der Pflegekasse und rechnen Sie offene Beträge rechtzeitig ab.

Ab wie vielen Punkten bekomme ich Pflegegrad 1?

Ab 12,5 von 100 Punkten im Begutachtungsverfahren des Medizinischen Dienstes. Bewertet werden sechs Module, darunter Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Selbstversorgung und die Gestaltung des Alltagslebens. Wie der Antrag läuft und welche Fristen die Pflegekasse einhalten muss, steht im Ratgeber Pflegegrad beantragen.

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Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand September 2026 wieder und ersetzt keine Sozial- oder Pflegeberatung. Über Leistungen entscheidet die zuständige Pflegekasse im Einzelfall. Kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist gesetzlich garantiert.

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